Immer im Einsatz für Zwei- und Vierbeiner

Quelle: Marbacher Zeitung // Autor: Julia Amrhein // Foto: KS-Images.de // Zum Artikel
Die in Mundelsheim gegründete und heute in Steinheim ansässige Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn hilft Tieren und ihren Besitzern nicht nur bei Futterknappheit.

Mundelsheim – Hilfsbereitschaft – als ich diesen Wert unter den Werten entdeckt habe, hatte ich fast erwartet, um diesen Serienteil mit anderen Kollegen zu konkurrieren. Seit ich bei der Zeitung arbeite, sind mir schon viele wunderbare Hilfsprojekte über den Weg gelaufen, die sicher alle ihre Aufmerksamkeit verdient hätten. Aber unter all diesen gibt es einen Verein, der mir immer im Kopf bleibt und dessen Posts auf Facebook mir regelmäßig ein großes Lächeln ins Gesicht zaubern: die Tiertafel Ludwigsburg/Heilbronn.

Vielleicht liegt es daran, dass ich diesen Verein von seiner Geburtsstunde an begleitet habe. 2018 kam eine Mail von Anne Stark in unser Postfach geflattert. Die 31-Jährige war frisch nach Mundelsheim gezogen und vermisste dort das Angebot einer Tiertafel, das sie zuvor in ihrer Heimat unterstützt hatte. Und anstatt nur zu bruddeln, packte sie die Sache selbst an und rief „Willis Tiertafel“ ins Leben – benannt nach ihrem Kater. Ich habe eh eine Schwäche für Geschichten mit Tieren und um Tiere, daher nahm ich mich des Themas gerne an. Und zugegeben: Ich kannte zwar die Tafelläden, aber was eine Tiertafel tut, war mir selbst erst nicht so klar.

Kurzgefasst: Die Helfer sammeln Futter- und Sachspenden, die an Tierbesitzer in Not ausgeliefert werden, damit die Näpfe nicht leer bleiben müssen. Eine Idee, die schnell auf Resonanz stieß und schließlich sogar den Wegzug der Gründerin überlebte. Ehemalige Mitglieder führten die Idee im Anschluss eigenständig fort, ließen die Tafel als Verein eintragen und sicherten dem Angebot so die Zukunft. Derzeit werden 32  Kunden mit 63 Tieren mit allem Nötigen beliefert. Pro Ausfahrt – übrigens mit den Privatautos – werden 272  Kilogramm Futter transportiert.

Schnell kam mir die Idee, einmal für eine Reportage an einer solchen Fahrt teilzunehmen. Ich schickte eine Anfrage und wurde um Geduld gebeten. Natürlich mussten erst die Kunden gefragt werden, ob das in Ordnung ist. Schließlich handelt es sich dabei um Menschen, die auf die eine oder andere Weise in finanzielle Not geraten sind. Vielen ist das unangenehm, sie wollen nicht mit Namen und Foto in der Zeitung stehen. Zwei Frauen erklärten sich damals aber trotzdem bereit, mich in ihre Wohnung zu lassen. Der Grund: Sie wollten der Tiertafel etwas zurückgeben. Eine Haltung, die mich beeindruckt hat. Da sind Menschen, denen es schlecht geht und die trotzdem an andere denken. Undwährend wir so von Haus zu Haus fuhren, ist mir eines deutlich vor Augen geführt worden: Die Tiertafel leistet so viel mehr, als nur Futterspenden abzugeben. Sie ist nämlich auch für die Herrchen und Frauchen eine enorme Stütze und hilft, wo auch immer sie kann – gerade jetzt in diesem coronageprägten Jahr. „Unsere Kunden sind sehr besorgt“, erzählt die Beisitzerin Karin Faber. Mit ihr sowie Schriftführerin Kaja Sprengel und der Vorsitzenden Bettina Reichel habe ich mich an einem Adventsabend per Videochat verabredet, um über 2020 und die Tiertafel zu sprechen. Und einmal mehr war ich berührt von der Liebe und der Kraft, die die Mitglieder der Tiertafel in ihr Ehrenamt stecken.

So gab es zu Jahresbeginn eine gemeinsame Aktion mit dem Lions Club Schozachtal und dem Kaufland Ilsfeld. Da die Tafelläden zum Teil geschlossen hatten, fehlte es den Kunden neben Tierfutter plötzlich auch an Dingen wie Nudeln, Mehl oder Zucker. „Uns tun die paar Euro im Supermarkt nicht weh, ihnen schon“, hatte Bettina Reichel festgestellt. Die Tiertafel vermittelte Kontakte zwischen ihren Kunden und der Hilfsaktion. Später kontaktierte noch ein Tierarzt den Verein, so Reichel: „Er kam dann auf eine Fahrt mit und hat sich bei Bedarf die Vierbeiner einfach mal angeguckt.“ Und manchmal tut es den Menschen auch einfach nur gut, dass da jemand ist, der sich Zeit für sie nimmt.

„Es sind Schicksale, die uns nicht kaltlassen und tief berühren“, berichtet Karin Faber. Wegsehen geht da nicht, die Tiertafel packt an und macht möglich, was möglich ist. So gab es etwa einen Hundebesitzer, dessen Tier es nicht so gut ging. Ein Besuch beim Tierarzt ergab einen großen Tumor. Die Operationskosten waren unbezahlbar – wären da nicht die Spender der Tiertafel gewesen, die ausgeholfen haben. Ein anderer Fall, der den Helfern gut im Gedächtnis geblieben ist, war der einer Familie, deren Hund nach einer schweren Operation verstarb. Kurz darauf wurde die Katze angefahren. Ein Mann hatte seine Wohnung verloren, mit Hund war es schwer, etwas Neues zu finden, erinnert sich Bettina Reichel: „Er sagte, er würde lieber auf der Straße leben, bevor er sein Tier weggeben muss.“ Das konnte verhindert werden. Betreuer, Unterkünfte oder Anträge – die Mitglieder der Tiertafel bewegen viel. „Die Stunden darf man da gar nicht zählen, es macht Spaß, und deshalb schauen wir nicht auf die Uhr“, so Faber. Wer gerade Zeit hat, hilft aus: „Jeder so viel, wie er leisten kann.“

Weitere Mitstreiter sind da jederzeit willkommen. Vor allem Fahrer werden immer gebraucht, denn das Gebiet, das die Tiertafel abdeckt, ist groß. Derzeit gibt es drei Touren durch die Kreise Heilbronn und Ludwigsburg sowie im Bottwartal. „Ich komme in Ecken, die ich vorher noch nie gesehen habe“, so Kaja Sprengel mit einem Augenzwinkern. Ein Problem hat sich dafür aufgelöst: Das Lager war zu klein, Mitglieder hatten die Waren von Spendern und Kooperationspartnern zum Teil zuhause gelagert. Ab Januar steht hier dann ein Gebäude auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände in Oberstenfeld bereit.

Und eines Tages – man wird ja noch träumen dürfen – tourt dann hoffentlich ein eigenes Tafelmobil der Tiertafel durch die Landkreise. Zu wünschen wäre es den Männern und Frauen jedenfalls. Denn was sie in ihrer Freizeit leisten ist beachtlich. Ich ziehe meinen Hut für so viel Einsatz, Hilfsbereitschaft und Herzblut.

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Jeden 1. Dienstag im Monat treffen wir uns ab 19:30 Uhr in der TSG Vereinsgaststätte, Höpfigheimer Str. 56, 71711 Steinheim.
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