Die Tiertafel Ludwigsburg-Heilbronn hilft Bedürftigen, damit es ihren Lieblingen gut geht

Quelle: Ludwigsburger Kreizeitung // Foto: Ramona Theiss  // Zum Artikel
„Viele unserer Abnehmer leben nur noch, weil es ihr Haustier gibt“, macht Kerstin Fink deutlich. Deshalb unterstützt die Tiertafel Ludwigsburg-Heilbronn Bedürftige mit Futter und bei Tierarztrechnungen.

Es sind traurige Geschichten, die sich Bettina Reichel, Michaela Bakowski und Kerstin Fink von der Tiertafel mit Sitz in Steinheim anhören müssen. In den allermeisten Fällen hatten die Tierhalter schon ein Haustier, bevor sie bedürftig wurden, und es stehe immer an erster Stelle. Eher gönnten sich die Betroffenen selbst nichts, als dass sie am Tier sparen, haben die Damen beobachtet. Mit dem Abrutschen in Hartz IV oder in die Rente können sie sich plötzlich das Futter für ihren Schützling nicht mehr leisten. Ganz schlimm wird es, wenn auch noch ein teurer Tierarztbesuch ansteht. In diesen Fällen springt die Tafel ein, wenn die Bedürftigen ihre Scham überwunden haben und sich melden, oder wenn der Tierarzt einen Hinweis gibt. „Wir überprüfen die Bedürftigkeit, machen eine Kontrolle vor Ort und schauen, wie das Tier untergebracht ist“, erklärt die Vorsitzende Bettina Reichel. Natürlich komme man auch mal in nicht ganz so hübsche Unterkünfte, in der Regel gehe es den Tieren aber sehr gut. „So unordentlich es sonst ist, für das Tier wird Platz freigeräumt“, sagt Reichel.

Das Verantwortungsbewusstsein fürs Tier sei in der Regel stark ausgeprägt. Wenn etwas doch nicht in Ordnung sein sollte, gebe man Hinweise, wirke erzieherisch. „Wenn Tiere zum Beispiel übergewichtig sind, greife ich massiv ein“, sagt Michaela Bakowski. „Die Tiere sind Gesprächs- und Lebenspartnerersatz und häufig der einzige Grund, um noch zu leben“, weiß Kerstin Fink. Das Tier zwingt die Menschen, morgens aufzustehen, sich um das Tier zu kümmern. Mit Hunden muss man zudem raus ins Freie und kann so bei einem über den Liebling entstandenen Smalltalk soziale Kontakte knüpfen. Häufig sind die Damen und Herren von der Tiertafel der einzige soziale Kontakt. „Wir hören sehr viele Geschichten. Manchmal hilft man auch privat, aber das geht nicht immer“, sagt Bettina Reichel. Mit der Zeit lerne man aber, sich emotional von den Schicksalen zu distanzieren. Man merke auch schnell, wenn man ausgenutzt werde. „Man findet nur einmal nach einer Auslieferung einen Katzenkorb bei eBay-Kleinanzeigen“, macht Bakowski die Konsequenzen deutlich.

40 Tierhalter mit 100 Tieren

In der Regel fahren die Helfer das Futter alle drei Wochen in den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn aus. Teams packen die Waren in der Halle aus und verteilen sie in fünf Touren. Zwei Drittel des Futterbedarfs liefert die Tafel, ein Drittel muss der Bedürftige selbst besorgen. Die Spenden bekommt der Verein von Privatpersonen, ab und zu von Aktionen aus Tierfachmärkten oder die Mitglieder kaufen selbst Futter vom gespendeten Geld. Derzeit betreut die Tafel 40 Tierhalter mit 100 Tieren. Die Katze ist auch hier das beliebteste Haustier.

Neues Lager gesucht

Der Verein hat aber bald selbst ein Problem: Mit dem Beginn der Bauarbeiten für das neue Gebiet Bottwarwiesen wird auch die Halle auf dem Werzalit-Areal abgerissen und er steht ohne Lager da. Und wie schwer es ist, etwas Passendes zu finden, wissen die Frauen aus der Suche vor drei Jahren, als die als Lager genutzte Garage in Ilsfeld zu klein wurde. „Es ist schwierig, etwas Bezahlbares zu finden“, konkretisiert Michaela Bakowski. Ihr jetziger Vermieter verlange einen symbolischen Preis, den sie ebenfalls aus Spendengeldern bezahlen. Damals haben sie länger als ein Jahr gesucht, weshalb sie jetzt schon auf ihr Problem aufmerksam machen. Für Futtermittel, Hundekörbe und sonstiges Zubehör brauchen sie ungefähr die Fläche von drei bis vier Garagen. Aber auch helfende Hände, neue Mitglieder oder Spendenwillige sind immer willkommen.

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Jeden 1. Dienstag im Monat treffen wir uns ab 19:30 Uhr in der TSG Vereinsgaststätte, Höpfigheimer Str. 56, 71711 Steinheim.
Für mehr Informationen wenden Sie sich bitte an:
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